24. Juni 2026 / Aus aller Welt

Analyse: Klimawandel macht Hitzewelle bis zu 4 Grad heißer

Deutschland und Westeuropa ächzen unter der Hitze. Fachleute fanden heraus, dass die Wetterbedingungen nicht neu sind – doch der Klimawandel die Temperaturen nach oben treibt. Um wie viel Grad?

Fachleuten zufolge macht der Klimawandel die derzeitige Hitzewelle in Westeuropa intensiver. (Archivbild)
Veröffentlicht am 24. Juni 2026 um 10:47 Uhr

Der menschengemachte Klimawandel verschärft die derzeitige Hitzewelle in Frankreich, Deutschland und weiteren Teilen Westeuropas Fachleuten zufolge deutlich. «Das Wettermuster hinter dieser Hitzewelle ist nicht außergewöhnlich», sagte Davide Faranda von dem Projekt Climameter. «Was außergewöhnlich ist, ist, dass der Klimawandel den Temperaturen in Teilen Westeuropas bis zu 4 Grad Celsius hinzugefügt hat.» Man nähere sich den Grenzen dessen, woran sich Gesellschaften und Ökosysteme anpassen könnten.

Ähnliche Bedingungen haben früher weniger Hitze erzeugt

Climameter beschäftigt sich mit dem Einfluss des Klimawandels auf Wetterbedingungen in Europa. Das Projekt wird von der Europäischen Union und dem französischen Forschungsinstitut CNRS finanziert und vom Klimaforschungsinstitut IPSL unterstützt.

Für ihre Analyse haben sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Zirkulationsmuster am 22. Juni angeschaut. Temperaturen seien etwa 2 bis 4 Grad Celsius wärmer, als sie bei ähnlichen meteorologischen Bedingungen in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts gewesen wären. Dass ähnliche Wettermuster heute höhere Temperaturen hervorbrächten, liege an Treibhausgasemissionen.

Auch in Deutschland teils 2 Grad Celsius heißer

Die Fachleute listen in ihrer Untersuchung die berechneten Temperaturunterschiede für mehrere Städte in Europa und auch in Deutschland auf. Im spanischen Saragossa sei es 4 Grad Celsius heißer, in Mailand 3,8 Grad Celsius und in Paris 2,4 Grad, als es unter ähnlichen Bedingungen noch vor mehreren Jahrzehnten gewesen wäre. Auch in München treibe der Klimawandel die Hitzewelle mit 2,3 Grad Celsius mehr an. In Frankfurt liege der Unterschied bei etwa 1,7 Grad Celsius, in Köln bei 1,6 Grad Celsius und in Berlin bei 1,2 Grad Celsius.

Die Expertinnen und Experten betonen, dass es bereits mehrfach in der Vergangenheit ähnliche Zirkulationsmuster gegeben habe. Nun aber führten sie zu deutlich höheren Temperaturen. Auch verwiesen sie darauf, dass Extremhitzeereignisse in Westeuropa bereits deutlich stärker zugenommen haben, als Klimamodelle dies angenommen hatten.

Auch das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) analysierte diese Woche in einer im Fachjournal «Nature» veröffentlichten Studie, wie die Bedrohung durch gefährliche Hitze in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen hat. So liegt demnach etwa in Südeuropa die maximale gefühlte Temperatur an den zehn wärmsten Tagen des Jahres heute bis zu vier Grad höher als in den 1970er Jahren, in Teilen Südwesteuropas sogar bis zu fünf Grad. Extremer Hitzestress kommt in Europa demnach mittlerweile rund zweieinhalbmal häufiger vor.


Bildnachweis: © Clara Margais/dpa
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