18. August 2025 / Aus aller Welt

Covid-Infektion könnte Blutgefäße schneller altern lassen

Eine Infektion mit dem Coronavirus könnte auch Auswirkungen auf die Blutgefäße haben. Was Forschende in einer neuen Studie herausgefunden haben.

Besonders bei Frau hat eine Studie nach einer Covid-Infektion stärker gealterte Blutgefäße festgestellt. (Archivbild)
Veröffentlicht am 18. August 2025 um 04:27 Uhr

Eine Covid-Infektion könnte die Blutgefäße einer Studie zufolge schneller altern lassen. Frauen seien davon stärker betroffen als Männer, ebenso wie Menschen, die unter Long Covid leiden, schreiben die Autoren einer in der Fachzeitschrift «European Heart Journal» erschienenen Studie.

Mit dem Alter werden die Blutgefäße steifer. Steifere Blutgefäße erhöhen Fachleuten zufolge das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt.

Studie untersucht Alter der Blutgefäße von mehr als 2.000 Menschen

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten in ihrer Studie 2.390 Menschen aus 16 Ländern, darunter auch Österreich. Die Studienteilnehmer wurden zwischen September 2020 und Februar 2022 ausgewählt. Unterschieden wurde zwischen Menschen, die nicht an Covid erkrankt waren, solche mit mildem Verlauf, Menschen, die mit Covid auf der Normalstation behandelt wurden und Menschen, die wegen Covid auf die Intensivstation kamen. 

Die Forscher untersuchten das Alter der Blutgefäße einer jeden Person. Dafür nutzten sie ein Gerät, das misst, wie schnell eine Blutdruckwelle sich von der Halsschlagader zu den Oberschenkelarterien bewegt. Je höher dieser Wert, desto steifer sind die Blutgefäße und als desto höher wird das Alter kategorisiert. Die Messungen erfolgten sechs und zwölf Monate nach einer Covid-Infektion. Bei der Beurteilung wurden auch andere Faktoren, welche das Alter der Blutgefäße beeinflussen können, einbezogen.

Alterungseffekt vor allem bei Frauen gefunden

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Blutgefäße bei denjenigen Gruppen, die mit Covid infiziert waren, im Schnitt steifer waren als bei denen, die sich nie infiziert hatten. Dies traf auch auf die Gruppe Studienteilnehmer zu, die nur einen milden Krankheitsverlauf hatten. Wer sich gegen Corona hatte impfen lassen, hatte im Schnitt weniger steife Gefäße als Ungeimpfte.

Stark sichtbar war der Unterschied bei Frauen. Bei Männern gab es hingegen keinen signifikanten Unterschied. Den Autoren zufolge könnte das daran liegen, dass wohl mehr Männer mit Covid starben und es unter den männlichen Studienteilnehmern mit Corona-Infektion somit einen «Überlebens-Bias» geben könnte. Insgesamt habe der Alterungseffekt bei Infizierten sich nach einiger Zeit mitunter stabilisiert oder nachgelassen.

«Lässt aufhorchen», aber für Experten auch Fragen offen

Für Heribert Schunkert, den stellvertretenden Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung und Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum der TU München, ist die Studie «in gewisser Weise sehr provokativ». Denn viele Menschen waren von einer Covid-Infektion betroffen. Wir wollten zudem alles vermeiden, um zu altern. «Das lässt einen natürlich aufhorchen.»

Zu klären ist für ihn nun, was der Grund für die gefundenen Ergebnisse ist. «Da muss man ganz genau hinschauen, ob diese Gruppen wirklich gleich waren, um zu sagen, ob die Ursache dieser Alterungsbeschleunigung in Covid lag.» Klar sei auch nicht, ob in den Gruppen wenige Menschen einen starken Effekt oder viele einen kleinen Effekt bei der Alterung hatten. «Nichtsdestotrotz ist diese Studie ein gewisser Weckruf.» Weitere Studien seien notwendig.

Auch der Kardiologe Dominik Rath vom Universitätsklinikum Tübingen findet die Daten der Studie interessant. Offene Fragen sind für ihn, ob Covid tatsächlich Grund für die Gefäßalterung ist und auch, warum besonders Frauen von dieser betroffen seien. Interessant sei für ihn auch, dass die Gruppe von Menschen, die mit Covid auf der Intensivstation lagen eine große Dynamik gezeigt habe, denn bei ihnen hätten sich die Alterungsprozesse nach der 12-Monats-Visite wieder relativ stark zurückgebildet – «was bedeuten könnte, dass die Hospitalisierung per se oder der Intensivstationsaufenthalt auch einen relevanten Anteil spielt.»


Bildnachweis: © Sebastian Gollnow/dpa
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