13. Oktober 2025 / Aus aller Welt

Schlag gegen Cybercrime: 1.406 Betrugs-Websites gesperrt

Mit vermeintlich lukrativen Geldanlagen versprechen Kriminelle im Netz große Gewinne - doch für die arglosen Opfer ist es ein Verlustgeschäft. Ermittler vermelden nun Erfolge der «Operation Herakles».

Wenn man die Adresse der beschlagnahmten Internetseiten eingibt, erscheint ein Sicherstellungsbanner der Behörden. (Archivbild)
Veröffentlicht am 13. Oktober 2025 um 10:53 Uhr

Um massenhaften Betrug im Internet zu unterbinden, haben Cybercrime-Experten mehr als 1.400 illegale Internetseiten gesperrt. Es bestehe der Verdacht des sogenannten Cybertrading-Betrugs, teilten das bei der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe eingerichtete Cybercrime-Zentrum Baden-Württemberg, das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) gemeinsam mit.

Massenphänomen mit steigenden Zahlen

Die Betrugsmasche, um die es dabei geht, heißt «Cybertrading-Fraud». Sie hat sich den Angaben nach in den vergangenen Jahren zu einem Massenphänomen entwickelt - mit stetig steigenden Fallzahlen. Gutgläubige Kundinnen und Kunden sollen dabei im Vertrauen auf eine lukrative Anlagemöglichkeit teils hohe Geldsummen auf betrügerischen Internetplattformen investieren.

Bei der «Operation Herakles» seien nun in Zusammenarbeit mit der europäischen Polizeibehörde Europol und bulgarischen Strafverfolgungsbehörden 1.406 aktive illegale Domains vom Netz genommen worden, hieß es. «Über die nun gesperrten Domains sollten Verbraucherinnen und Verbraucher getäuscht und zu vermeintlichen Investitionen auf manipulierten Handelsplattformen verleitet werden.»

«Crime as a Service» - Geld in der Regel verloren

Bislang seien die Täter unbekannt. Sie handeln den Angaben nach international und arbeitsteilig. Das Vorgehen bezeichnen die Behörden als «Crime as a Service», also kriminelle Dienstleistungen.

Die Täter erstellen den Angaben nach Internetauftritte, auf denen sie einem breiten Publikum die Eröffnung eines vermeintlichen Handelskontos für das Trading mit Finanzinstrumenten anbieten. «Hierbei wenden sich die Täter bewusst an den deutschen Markt und gezielt an Personen, die in Deutschland leben und wohnen.» Die Betreiber hätten aber keine Erlaubnis der Bafin für Finanz- beziehungsweise Wertpapierdienstleistungen und Bankgeschäfte.

«Tatsächlich werden die eingezahlten Gelder zu keinem Zeitpunkt einer Kapitalanlage zugeführt», warnen die Ermittler. Flankierend rufen sogenannte Broker aus Callcentern im Ausland die Opfer an und animieren sie dazu, mehr Geld zu investieren. «Viele Geschädigte bemerken aufgrund des professionellen Vorgehens der Täter und des Einsatzes von gefälschten Handelsplattformen über Monate hinweg nicht, dass sie betrogen werden und werden zu weiteren Einzahlungen motiviert», hieß es. Das Geld sei in der Regel vollständig verloren.

Hunderttausende Aufrufe seit Beschlagnahme

Die nun beschlagnahmten Domains wurden auf eine vom LKA gehostete sogenannte Beschlagnahmeseite umgeleitet: Wer die Internetadresse aufruft, bekommt nun einen entsprechenden Hinweis.

Solche Betrugs-Seiten werden den Angaben nach millionenfach geklickt. Alleine seit Umleitung der betroffenen Domains am 3. Oktober stellten die Behörden laut der Mitteilung rund 866.000 Aufrufe auf die übernommenen Seiten fest. 

Bei einer ähnlichen Aktion im Juni hatten die Behörden rund 800 illegale Domains gesperrt. Seitdem sei durch rund 5,6 Millionen Nutzerzugriffe mehr als 20 Millionen Mal versucht worden, diese aufzurufen.

«Cyberkriminellen den Saft abgedreht»

Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl erklärte: «Cyberkriminalität bedroht unsere Wirtschaft, unsere Daten und das Vertrauen in den Rechtsstaat. Das lassen wir nicht zu.» Gesetze gelten auch im digitalen Raum, wie der CDU-Politiker betonte. Der Ermittlungserfolg zeige, das Netz sei kein rechtsfreier Raum. «Damit haben wir den Cyberkriminellen den Saft abgedreht und weitere Anlagebetrügereien verhindert.» 

Aus Sicht von Landesjustizministerin Marion Gentges (CDU) wird deutlich, «was möglich ist, wenn Justiz, Polizei und Aufsichtsbehörden Hand in Hand arbeiten». Mit der engen Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Cybercrime «setzen wir in Baden-Württemberg bundesweit Maßstäbe», erklärte sie.


Bildnachweis: © Leonie Asendorpf/dpa
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