1. April 2026 / Aus aller Welt

Italienisches Paar verliert nach 46 Jahren Platz am Meer

Die vielen Strandbäder gehören in Italien zum nationalen Kulturgut. Jetzt bekommt ein Rentnerpaar die Kündigung - offensichtlich, weil es zu alt ist und nicht mehr genug Geld ausgibt.

Nach fast einem halben Jahrhundert musste ein italienisches Rentnerpaar seinen Stammplatz am Meer räumen. (Illustration)
Veröffentlicht am 1. April 2026 um 11:30 Uhr

Nach fast einem halben Jahrhundert in immer demselben Strandbad hat ein älteres italienisches Ehepaar seinen Stammplatz vorn am Meer verloren. Das Rentnerpaar Rosaria und Luigi Gabriele (82 und 86) aus Pescara an der Adria bekam vom Strandbad «Croce del Sud» die Kündigung geschickt - offensichtlich, weil die beiden nicht mehr genug Geld ausgaben. Zuletzt hatten sie für ihren Vorzugsplatz in der ersten Reihe pro Saison 4.000 Euro bezahlt. Die beiden müssen sich nun nach einer anderen Liegestelle umsehen.

Der Fall löste in der 120.000-Einwohner-Stadt einigen Unmut aus - zumal die Kündigung nach 46 Jahren der Lokalzeitung «Il Centro» zufolge per WhatsApp-Nachricht erfolgte. Darin hieß es knapp: «Wir gestalten unsere Räumlichkeiten neu und können Ihre Platzzuweisung nicht bestätigen. Für die nächste Saison wünschen wir Ihnen alles Gute.» Das Strandbad mit jahrzehntelanger Tradition hatte vor zwei Jahren den Besitzer gewechselt.

Betreiber will jüngere und zahlungskräftigere Gäste 

Der neue Betreiber Giampiero Galletta sagte der Zeitung ergänzend: «Wir richten die Anlage auf eine dynamischere Kundschaft aus, die das Strandbad in vollen Zügen genießt und andere Nutzungsmuster verfolgt.» Dies sei «weniger eine Frage des Alters als der Einstellung». Rosaria Gabriele zufolge wurde ihr zudem gesagt, «dass sie junge Leute bevorzugen, die in der Bar und im Restaurant Geld ausgeben».

Nach der ersten Aufregung bekam das Paar einen neuen Platz in der vierten Reihe angeboten, allerdings auch das nur unter Vorbehalt. Die Gabrieles lehnten nach einiger Bedenkzeit ab. Die Rentnerin sagte der Zeitung: «Das war ein Flecken Erde, schlimmer als ein Loch. So lassen wir uns nicht behandeln. Ich will sie nicht mehr sehen.» 

In Italien ist es weit verbreitet, für einen Platz mit Liegen und Sonnenschirm am Meer in einem der vielen stabilimenti balneari eine Saisonmiete zu bezahlen. Landesweit gibt es etwa 7.200 solche Strandbäder, von denen viele in Familienbesitz sind. Die Strandliege (italienisch: lettino) und der Sonnenschirm (ombrellone) gehören gewissermaßen zu den nationalen Kulturgütern.


Bildnachweis: © Mauro Scrobogna/LaPresse via ZUMA Press/dpa
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