28. Oktober 2025 / Aus aller Welt

Möglicher Drahtzieher von sadistischem Netzwerk vor Gericht

Die Videos schocken sogar Ermittler: Jugendliche werden zu Missbrauch und Gewalt gezwungen - möglicherweise bis zu Mord und Suizid. Gibt es Parallelen zum Fall von «White Tiger»?

 In den Niederlanden steht ein junger Mann vor Gericht, der im Internet Jugendliche zu Gewalttaten bis hin zu Mord und Suizid gezwungen haben soll. (Symbolbild)
Veröffentlicht am 28. Oktober 2025 um 04:00 Uhr

Niederländische Ermittler sind einem weltweiten Netzwerk sadistischer Chatgruppen auf der Spur. Der mutmaßliche Drahtzieher, ein 25 Jahre alter Niederländer, wird nun in Rotterdam erstmals einem Richter vorgeführt. Der Mann aus Eindhoven war bereits im Juli festgenommen worden. Bei der Sitzung am heutigen Dienstag wird es zunächst um Verfahrensfragen gehen. Wann das Hauptverfahren beginnt, ist noch unklar. 

Der Angeklagte soll in Online-Chatgruppen Jugendliche erpresst und zu extremen Gewalttaten getrieben haben. Dabei soll es sich etwa um sexuellen Missbrauch von Geschwistern gehandelt haben. Die Opfer wurden laut Anklage auch dazu gebracht, sich selbst zu verletzen. Möglicherweise seien sie auch zu Mord und Suizid angestiftet worden. 

Polizei identifizierte Dutzende mutmaßliche Opfer

Der Mann trat der Anklage zufolge im Internet unter dem Namen «Cxrpse» auf, eine Anspielung auf das englische Wort für Leiche. Die Justiz sieht ihn als der Drahtzieher des sadistischen Terrornetzwerks No Lives Matters (Kein Leben zählt) und der Gruppe 764 auf Online-Plattformen wie Telegram und Discord. 

Die Polizei identifizierte bereits Dutzende mutmaßliche Opfer. Inzwischen wurde ein weiterer Verdächtiger, ein 22 Jahre alter Mann aus Hoofddorp bei Amsterdam, festgenommen. 

Gezielte Suche nach psychisch labilen Jugendlichen

Das niederländische investigative TV-Magazin Zembla hatte die Arbeitsweise der Internet-Kriminellen enthüllt und mutmaßliche Täter identifiziert. Die Mitglieder suchen demnach in Foren gezielt psychisch labile Jugendliche und locken sie dann in geschlossene Chatgruppen. Dort setzen sie laut Recherchen die Jugendliche oft mit Nacktbildern unter Druck. 

Die Opfer mussten nach Angaben der Staatsanwaltschaft zum Beispiel den Online-Namen des Angeklagten in ihren Körper ritzen. Sie mussten auch die Gewalttaten filmen, und diese Videos wurden im Netzwerk wieder verbreitet. Die Videos waren nach Angaben der Polizei so grausam, dass sogar erfahrene Ermittler sie kaum anschauen konnten. 

Fall von «White Tiger» in Deutschland

Einen ähnlichen Fall gibt es auch in Deutschland: Vor kurzem wurde in Hamburg ein junger Mann angeklagt, der unter dem Namen «White Tiger» ebenfalls online Kinder zu selbstverletzenden Handlungen bis hin zum Suizid getrieben haben soll.


Bildnachweis: © Nicolas Armer/dpa/dpa-tmn
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