3. Januar 2026 / Aus aller Welt

Crans-Montana: Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Gab es zu wenig Notausgänge, war in der abgebrannten Bar nicht regelkonformes Material verbaut? Nach dem verheerenden Feuer in Crans-Montana stehen nun die Barbetreiber im Visier der Ermittler.

Unendliche Trauer in Crans-Montana.
Veröffentlicht am 3. Januar 2026 um 17:14 Uhr

Nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana mit 40 Toten bei einer Silvesterparty hat die Schweizer Polizei strafrechtliche Ermittlungen gegen die Barbetreiber aufgenommen. «Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen», teilte die Kantonspolizei Wallis mit. 

Das französische Ehepaar wurde nicht festgenommen und unterliegt auch keinen Reisebeschränkungen, wie ein Polizeisprecher auf Nachfrage präzisierte. Es handele sich zunächst um eine Strafuntersuchung. Ob Anklage erhoben werde, entscheide die Staatsanwaltschaft zu einem späteren Zeitpunkt.

«Es wird daran erinnert, dass bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt», teilte die Polizei mit. Die Betreiber hatten Medienvertretern gesagt, dass sie vollumfänglich mit den Ermittlern kooperieren.

Der dünne Faden, an dem das Leben hängt

Bei dem Brand in der Silvesternacht war nach ersten Ermittlungen durch funkensprühende Partyfontänen Schaumstoff an der Decke der Bar in Brand geraten. Er hatte sich innerhalb kürzester Zeit ausgebreitet. Neben den Todesopfern wurden 119 Menschen größtenteils schwer verletzt. Am Samstag war Justizminister Beat Jans in Crans-Montana. Die Katastrophe mache alle betroffen, sagte er. «Es zeigt uns, wie dünn der Faden ist, an dem unser Leben und das Leben unserer Liebsten hängt.»

Zweifel an Einhaltung von Brandschutzvorschriften

Brandschutzexperten haben infrage gestellt, ob die Bar genügend Notausgänge hatte und ob der Schaumstoff unter der Decke wahrscheinlich zur Schalldämpfung regelkonform war. Als die Barbesucher vor den Flammen flüchteten, war es auf einer engen Treppe zu erheblichem Gedränge gekommen. Einige Überlebende konnten nur noch an den hochgestreckten Händen aus der Menge gezogen worden, wie Helfer berichteten. 

Fluchtwege und Pyrotechnik problematisch

«Die Fluchtwegsituation vom Gebäude war sicher nicht ideal, weil Leute von Untergeschoss - glaube ich - nur eine Ausgangsmöglichkeit hatten», sagt Dumeng Wehrli, Präsident der Interessengemeinschaft der Brandschutzingenieure Schweiz, dem Sender SRF. Allein anhand der Zahl der Opfer ist klar, dass sich in den Räumen der Bar mehr als 150 Menschen aufgehalten haben.

Ein einziger Notausgang reiche nach den Vorschriften nur in einem Raum mit bis zu 50 Personen, sagt Wehrli. Bei mehr als 50 seien zwei Notausgänge vorgeschrieben. Ab 200 Personen müsse es mehrere und breitere Fluchtwege und Ausgänge geben. 

Die funkensprühenden Partyfontänen, die auf Videos und Bildern zu sehen sind, hält er auch für problematisch. «Pyrotechnische Gegenstände haben aus meiner Sicht im Inneren von Gebäuden nichts zu suchen», sagt er. 

Deutschland hilft mit Aufnahme von Brandopfern

Nach der ersten Notversorgung zeigt sich, dass die Schweiz nicht die Kapazitäten hat, so viele Opfer mit so schweren Brandverletzungen langfristig zu betreuen. 50 der 119 Opfer sollen ins Ausland verlegt werden, wie die Behörden bekanntgaben. 

Eine Handvoll war bereits in Kliniken in Deutschland aufgenommen worden, unter anderem in Tübingen, Stuttgart, Hannover, Köln-Merheim und Halle (Saale). «Wir gehen davon aus, dass noch weitere Patienten kommen werden», sagte die Sprecherin des Klinikums Bergmannstrost in Halle (Saale). Auch in Berlin, Leipzig und Bochum wurden Patienten erwartet. 

Die Bar war besonders beim jungen Publikum beliebt, entsprechend sind die meisten Schwerletzten Teenager oder junge Erwachsene. Bis Samstag wurden vier der 40 Todesopfer identifiziert. Es handelt sich um Schweizer zwischen 16 und 21 Jahren. 

Von den 119 Verletzten waren bis Freitag 113 identifiziert worden. Darunter waren 71 Schweizer sowie 14 Franzosen, elf Italiener, vier Serben sowie einzelne Personen aus anderen Ländern. Deutsche Opfer wurden bislang nicht gemeldet.


Bildnachweis: © Baz Ratner/AP/dpa
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