Pflegende Angehörige vernachlässigen ihre eigene psychische Gesundheit, wenn sie teils rund um die Uhr für einen geliebten Menschen da sind. Dies geht aus einer Auswertung von Studien mit mehr als 81.000 pflegenden Angehörigen hervor, die in der Fachzeitschrift «Psychology & Health» veröffentlicht wurde. So wünscht sich beispielsweise jede dritte pflegende Person eine Beratung über Hilfen, aber weniger als jede sechste nahm sie tatsächlich in Anspruch. Benötigt wird nach Angaben der Betroffenen Unterstützung etwa beim Umgang mit Verlust, Ungewissheit und Schuldgefühlen. «Pflegende Angehörige neigen dazu, die Bedürfnisse der von ihnen betreuten Person über ihre eigenen zu stellen», sagte Erstautorin Hannah Isaac von der Universität Sydney. Insbesondere in der Phase, in der die betreute Person am schwersten erkrankt sei, spielten die Pflegenden ihre eigenen psychischen Belastungen herunter. «Dabei wäre psychologische Unterstützung gerade in dieser Phase besonders wertvoll.» Das australische Forscherteam wertete 29 Studien aus Europa, den USA, Kanada und Australien aus den vergangenen 20 Jahren aus. Im Fokus standen überwiegend Frauen, die meist ihren Ehemann oder Partner mit einer chronischen Erkrankung betreuten. Am häufigsten war dies Krebs. Andere kümmerten sich um Menschen mit Herzerkrankungen oder Parkinson oder um Personen, die einen Schlaganfall erlitten hatten. In Deutschland wurden laut der aktuellen Pflegestatistik im Jahr 2023 rund 4,9 Millionen pflegebedürftige Menschen zu Hause versorgt. Zur Zahl pflegender Angehörigen gibt es nur Schätzungen, eine davon liegt bei 7,1 Millionen. Im Hinblick auf Unterstützung ging es den Pflegenden länderübergreifend zudem darum, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten, ihre Interessen und Ziele an die neue Situation anzupassen und mit Veränderungen in ihren sexuellen Beziehungen umzugehen, so die Auswertung. 40 Prozent der Angehörigen zeigten Interesse an staatlichen Angeboten wie einer nationalen Telefonhotline oder krankheitsspezifischen Informationen, doch nur 10 Prozent hatten diese bereits genutzt. In Deutschland ist das Pflegetelefon ein solches Angebot, die Beratung ist anonym und vertraulich. Die Wissenschaftlerinnen plädieren dafür, pflegende Angehörige routinemäßig auf psychische Belastungen und ihren Bedarf an unterstützender Versorgung zu untersuchen. Ihnen zufolge treten zum Beispiel Depressionen und Angstzustände bei pflegenden Familienmitgliedern häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Fehlten Unterstützung und Hilfsangebote für die Pflegenden, könne neben deren Wohlbefinden auch ihre Fähigkeit beeinträchtigt werden, die betreute Person zu unterstützen.Meist betreuen Frauen kranken Ehemann oder Partner
Regelmäßige Untersuchung auf Belastungen gefordert
Bildnachweis: © Oliver Berg/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Studie: Pflegende Angehörige benötigen mehr psychische Hilfe
Ein Forscher-Team hat Studien mit weltweit über 80.000 Menschen ausgewertet, die Familienmitglieder pflegen. Eine Erkenntnis: Unterstützung wird zwar gebraucht - aber oft nicht in Anspruch genommen.
Meistgelesene Artikel
- 7. Oktober 2026
Aktuelle Blitzer im Kreis Heidenheim
Täglich aktualisierte Blitzermeldungen für Heidenheim und Umgebung
- 8. September 2026
JP Kraemer: Unternehmen öffnen wieder
Trotz der Ermittlungen gegen Jean Pierre Kraemer öffnen seine Unternehmen wieder. Die Entscheidung fiel nach intensiven Gesprächen zwischen Mitarbeitern, Management und Kraemer.
- 9. September 2026
Königsbronn/B19 - Fußgänger schwer verletzt / Zu einem Unfall zwischen einem Fuß...
Ulm (ots) - Kurz nach 6.15 Uhr fuhr ein 58-jähriger mit seinem Audi Elektroauto auf der B19/ Heidenheimer Straße im...
Neueste Artikel
- 7. Oktober 2026
Schlag gegen Goldschmuggler - Durchsuchungen bei Juwelieren
Eine Bande soll jahrelang mit schmutzigem Geld Altgold angekauft und dieses dann zu Barren eingeschmolzen haben. So sollen die Verdächtigen Gold im Millionenwert in die Türkei gebracht haben.
- 7. Oktober 2026
Behörde: Untersuchungen in Irkutsk zeigen keine Pestfälle
Fast 5.000 Tests, aber keine gefährlichen Erreger gefunden: Russische Behörden informieren über die Seuchenvorbeugung nach dem Todesfall in Sibirien.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 7. Oktober 2026
Schlag gegen Goldschmuggler - Durchsuchungen bei Juwelieren
Eine Bande soll jahrelang mit schmutzigem Geld Altgold angekauft und dieses dann zu Barren eingeschmolzen haben. So sollen die Verdächtigen Gold im Millionenwert in die Türkei gebracht haben.
- 7. Oktober 2026
Behörde: Untersuchungen in Irkutsk zeigen keine Pestfälle
Fast 5.000 Tests, aber keine gefährlichen Erreger gefunden: Russische Behörden informieren über die Seuchenvorbeugung nach dem Todesfall in Sibirien.

