6. September 2025 / Aus aller Welt

Tod im Sturm - Endeten bayerische Baby-Flugsaurier tragisch?

Bei Bayern wurden Fossilien hunderter Flugsaurier gefunden. Wissenschaftler rätseln, warum es sich überwiegend um junge Tiere handelt. Dazu gibt es nun eine neue Theorie.

Starke Windböe brechen die zarten Knochen: Künstlerische Darstellung eines kleinen Pterodactylus-Babys in einem Tropengewitter.
Veröffentlicht am 6. September 2025 um 08:20 Uhr

Flügelbruch, Absturz, Tod durch Ertrinken: Zwei in Bayern gefundene Mini-Flugsaurier könnten vor 150 Millionen Jahren ein dramatisches Ende gefunden haben. Das zumindest nimmt ein britisches Forschungsteam an. Die winzigen Pterosaurier zeigen demnach den gleichen, ungewöhnlichen Bruch des Oberarmknochens. Die Art der Verletzung spreche dafür, dass jeweils eine starke Windböe die zarten Knochen brechen ließ. 

Die erst wenige Tage oder Wochen alten Pterodactylus-Babys mit weniger als 20 Zentimetern Flügelspannweite könnten einem damals tobenden tropischen Sturm zum Opfer gefallen sein, mutmaßen die Forschenden um Robert Smyth von der University of Leicester im Fachjournal «Current Biology». Der linke Flügel von «Lucky» und der rechte Flügel von «Lucky II» waren demnach auf eine Weise gebrochen, die auf eine starke Drehkraft hindeutet - was eher das Ergebnis starker Windböen als einer Kollision mit einer harten Oberfläche sei.

Kleiner als eine Hausmaus

Danach seien die schwerverletzten Winzlinge in eine Lagune des tropischen Meeres gestürzt, das sich in der Jurazeit über Süddeutschland erstreckte, und ertrunken. Die Körper - zierlicher und kleiner als der einer Hausmaus - sanken zum Meeresgrund und wurden rasch von feinem, kalkhaltigem Schlamm bedeckt, den der Sturm aufgewirbelt hatte, wie es zu der Theorie weiter hieß. Dadurch blieben die Fossilien so gut erhalten. 

Die Geschichte von «Lucky» und «Lucky II», wie die Saurierbabys trotz ihres tragischen Endes genannt wurden, war den Forschenden zufolge womöglich kein Einzelfall. In den für ihre Fossilien weltbekannten Plattenkalken bei Solnhofen in Bayern wurden hunderte Pterosaurier gefunden - fast alles sehr kleine, sehr junge und sehr gut erhaltene Tiere. Ausgewachsene Flugsaurier wurden dort hingegen selten entdeckt - und wenn, dann nur in Fragmenten, wie die Wissenschaftler erläutern. 

Womöglich wurden in der Region immer wieder kleine, auf nahe gelegenen Inseln lebende Flugsaurier von gewaltigen Stürmen über die Lagune gedrückt, wo sie abstürzten. Größere Tiere hätten den Naturgewalten wohl besser standhalten können. «Jahrhundertelang glaubten Wissenschaftler, dass die Ökosysteme der Lagune von Solnhofen von kleinen Flugsauriern dominiert wurden», sagte Smyth. Das sei wohl falsch.


Bildnachweis: © Rudolf Hima/EurekAlert/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

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