29. Juli 2025 / Aus aller Welt

Bis zu elf Jahre Gefängnis nach Diebstahl von Keltengold

Der Diebstahl des Manchinger Goldschatzes war einer der aufsehenerregendsten Museumseinbrüche der vergangenen Jahre. Die angeklagten Männer schweigen eisern - doch die Richter haben keine Zweifel.

Der mutmaßliche Haupttäter kommt vor der Urteilsverkündung im Fall des Diebstahls des Manchinger Keltengoldes in den Gerichtssaal.
Veröffentlicht am 29. Juli 2025 um 13:14 Uhr

Ob der mehr als zwei Jahrtausende alte Goldschatz jemals wieder auftauchen wird, bleibt völlig unklar - das konnte auch der Prozess um den Einbruch im Kelten Römer Museum in Manching in Oberbayern nicht ändern. Aber Urteile gibt es nun: Nach dem Diebstahl des Goldes hat das Landgericht Ingolstadt vier Männer aus Ostdeutschland zu langen Gefängnisstrafen verurteilt.

Die Angeklagten aus dem Raum Schwerin und Berlin bekamen zwischen vier Jahren, neun Monaten und elf Jahren Haft. Mit der Verurteilung wegen schweren Bandendiebstahls und anderer Taten folgte die Strafkammer weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Die Männer hatten zu allen Vorwürfen geschwiegen, ihre Verteidiger letztlich Freisprüche verlangt. Bei drei der Beschuldigten war die Strafkammer aber trotzdem überzeugt, dass sie das Manchinger Keltengold bei dem Einbruch in der Nacht zum 22. November 2022 gestohlen hatten. Ein 44-jähriger Schweriner wurde von dem Vorwurf des Museumseinbruchs zwar freigesprochen, weil hier eine Beteiligung nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Er wurde allerdings wegen anderer Einbruchstaten ebenfalls schuldig gesprochen.

Gericht verhandelte über eine lange Einbruchsserie

In dem Verfahren ging es letztlich um rund 20 Einbrüche oder Einbruchsversuche in ganz Deutschland und Österreich. Mindestens seit dem Jahr 2014 sei die Bande aktiv gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Konrad Kliegl. Auch nach dem Einbruch in Manching seien noch weitere Spähfahrten unternommen worden. So seien 2023 Einbrüche auf der Museumsinsel Schloss Gottorf in Schleswig, wo sich die Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen befinden, sowie in ein dänisches Museum vorbereitet worden.

Zu weiteren Einbrüchen kam es aber nicht mehr. Das Bayerische Landeskriminalamt (LKA), das nach dem Museumseinbruch eine Sonderkommission gegründet hatte, nahm das Quartett vor rund zwei Jahren fest. Seitdem sitzen die Männer in Untersuchungshaft.

Bei dem Manchinger Einbruch war der größte keltische Goldfund des 20. Jahrhunderts gestohlenen worden. Archäologen hatten die 483 Münzen und einen sogenannten Gusskuchen aus Gold im Jahr 1999 bei Ausgrabungen in Manching gefunden. Einige Jahre später wurde der Goldschatz das Aushängeschild des neu gebauten Museums in dem Ort.

Der Einbruch zählt zu den aufsehenerregenden Museumseinbrüchen der vergangenen Jahre in Deutschland. Zuvor hatten Diebstähle im Berliner Bode-Museum und im Grünen Gewölbe​​ in Dresden für Schlagzeilen gesorgt.

Der größte Teil der Beute bleibt verschwunden

Das Gericht bezifferte den materiellen Wert des rund 3,7 Kilogramm schweren Goldschatzes mit deutlich mehr als einer Million Euro. Wissenschaftler betonen allerdings, dass die etwa 2.100 Jahre alte Sammlung nicht zu ersetzen ist. Von dem größten Teil der Beute fehlt bis heute jede Spur. Das LKA war auf die Spur der vier Männer gekommen, nachdem in der Nähe des Museums weggeworfenes Einbruchswerkzeug sichergestellt und auch eine DNA-Spur gefunden wurde.

Hauptbeschuldigter ist ein heute 48-Jähriger aus Plate bei Schwerin, er wurde zu elf Jahren Haft verurteilt. Der Richter bezeichnet ihn als «Anführer der Bande», der die Beute aus Manching verteilt und bei anderen Einbrüchen Geldautomaten und Tresore aufgeflext habe. Mitangeklagt sind zwei Schweriner im Alter von 44 und 52 Jahren, die zu sieben Jahren sowie vier Jahren und neun Monaten verurteilt wurden.

Angeklagter hatte eingeschmolzenes Gold bei Festnahme dabei

Vierter Angeklagter ist ein 45-Jähriger aus Berlin, der acht Jahre Gefängnis bekam. Er hatte bei der Festnahme mehrere kleine Goldklumpen dabei. Nach den Ermittlungen handelte es sich dabei um 72 Münzen aus Manching, die zusammengeschmolzen wurden. Von den 411 weiteren Münzen sowie dem 217 Gramm schweren Gusskuchen fehlt jede Spur.

Zu Beginn des Prozesses war erwartet worden, dass das Verfahren auch Hinweise zu dem restlichen Goldschatz bringt. «Die Hoffnung ist groß, ich bin Optimist», sagte Manchings Bürgermeister Herbert Nerb damals. Seine Hoffnung nützte aber nichts. «Dass die Täter sich über den Verbleib der rund 400 noch vermissten Münzen ausgeschwiegen haben, macht fassungslos», sagte Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) nach dem Urteil.

Die Strafkammer hat seit Januar an mehr als 30 Tagen verhandelt. Rund 120 Zeugen und Gutachter wurden gehört. Das Urteil ist bislang nicht rechtskräftig. Die Verteidiger aller vier Angeklagten kündigten an, einen Revisionsantrag stellen zu wollen. Dann müsste sich der Bundesgerichtshof noch einmal mit dem Fall befassen.


Bildnachweis: © Peter Kneffel/dpa
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