21. Dezember 2025 / Aus aller Welt

Weiße Weihnachten – nur ein Mythos und bald eh Geschichte?

Weiße Weihnachten wünschen sich wohl viele Menschen. Doch wie realistisch ist das eigentlich? Was uns die Wetterstatistik sagen kann.

Verglichen mit früheren Jahren fällt nicht nur weniger Schnee, er schmilzt auch schneller dahin. (Archivbild)
Veröffentlicht am 21. Dezember 2025 um 12:09 Uhr

Weihnachtskarten, romantische Filme und viele Weihnachtslieder kommen nicht ohne ihn aus: Schnee. Doch dieser macht sich zu den Feiertagen inzwischen rar. Früher war nicht nur gefühlt mehr Lametta, wie es beim Humoristen Loriot hieß, sondern auch mehr Schnee. Wo in Deutschland können die Menschen noch auf weiße Weihnachten hoffen? 

Die Aussichten

Eine genaue Wettervorhersage für die Weihnachtstage ist erst ganz kurz vorher möglich. Nach der jüngsten Prognose des Deutschen Wetterdiensts (DWD) vom Sonntag könnte der Traum von weißen Weihnachten in manchen Teilen Süddeutschlands eventuell in Erfüllung gehen: Demnach kommt am Mittwoch in der Südhälfte gebietsweise leichter Schneefall auf. Eine dünne Schneedecke sei dann möglich - in höheren Lagen.

«In den Niederungen reicht es meist nicht für Schnee. Dort fällt an Heiligabend etwas Regen oder Schneeregen», teilt DWD-Meteorologe Nico Bauer mit. Im Norden ist es demnach an Heiligabend trocken und kühl, teilweise kommt die Sonne heraus. Die Höchsttemperaturen bewegen sich überwiegend zwischen minus und plus zwei Grad, in der Nacht zwischen plus einem und minus fünf Grad.

Der Langzeittrend 

Ein Blick zurück zeigt: «Die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken», sagt DWD-Experte Andreas Walter. Eine Schneedecke von mindestens einem Zentimeter an allen drei Weihnachtstagen habe es das letzte Mal 2010 in Deutschland auch im Tiefland gegeben. Vergleiche man die 30-jährigen Zeiträume 1961 bis 1990 und 1991 bis 2020, sehe man einen Rückgang der Schnee-Wahrscheinlichkeit von 15 bis 40 Prozent.

In München zum Beispiel habe es zwischen 1961 und 1990 statistisch noch jedes dritte Jahr weiße Weihnachten gegeben, sagt der Atmosphärenforscher Bodo Ahrens von der Universität Frankfurt. Zwischen 1991 und 2020 sei es nur noch etwa jedes neunte Jahr so gewesen. In Freiburg wiederum sei die Wahrscheinlichkeit für Schnee an Weihnachten in den vergangenen drei Dekaden von 17 auf circa 5 Prozent gesunken.

Doch im Vergleich zu früheren Jahren fällt nicht nur weniger Schnee, er schmilzt auch schneller dahin: «Früher hatte man mehr diese langanhaltenden, kalten Hochdrucklagen. Also wenn Schnee lag, dann blieb der auch eine Weile liegen», sagt Ahrens. Heute schneie es zwar immer noch ab und zu, aber die weiße Pracht ist von kürzerer Dauer. «Die kalten stabilen Lagen sind weniger geworden.» Ursache dafür ist ihm zufolge die Klimaerwärmung. 

Wo man zumindest noch hoffen kann 

In den Alpen und anderen Höhenlagen sind weiße Weihnachten dem DWD zufolge deutlich wahrscheinlicher als beispielsweise im Tiefland oder an den Küsten. Auch in München stehen die Chancen im Vergleich zum Alpenvorland um einiges schlechter, sagt Walter. Geringe Schnee-Wahrscheinlichkeit gebe es außerdem im Breisgau, dem Rhein-Main-Gebiet, Köln, Düsseldorf und weiter nördlich in Bremen, Hamburg, Schwerin sowie an der Nord- und Ostseeküste. 

Die Verklärung

Trotzdem: in Kinderbüchern und Weihnachtsfilmen liegt oder fällt an den Festtagen so gut wie immer Schnee. Auch viele Weihnachtslieder besingen die weiße Pracht. «Das prägt sich als Kind positiv ein und dann kommt es tatsächlich ja auch mal vor, so dass man die Erwartungshaltung hat, es sollte jedes Jahr so sein», meint Ahrens. 

Deshalb verbinden viele Menschen Weihnachten mit Schnee, obwohl die meisten in ihrem Leben viel öfter graue und nasse Weihnachten erlebt haben. «Natürlich war es früher, weil der Klimawandel noch nicht so zugeschlagen hat, kühler und auch kälter an Weihnachten», sagt Walter. Eine geschlossene Schneedecke habe es vielerorts aber da schon selten gegeben. «Vielleicht wird der Blick darauf immer ein bisschen verklärt» – weil man das sich eben wünsche.


Bildnachweis: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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